GELENKKRANKHEITEN
chronische Gelenkskrankheiten
Manche Autoren schreiben den Begriff Gelenkkrankheiten auch mit s (Gelen kskrankheiten).
Gelenkkrankheiten betreffen hauptsächlich den Knorpel und die Membrana Synovialis (= die Innenhaut der Gelenkkapsel), mit sekundär (= nachfolgenden) entzündlichen und nichtentzündlichen Vorgängen.
Man unterscheidet (chronische) Gelenkkrankheiten nach ihren
Ursachen:
(modif. nach Roche)
Metabolische (=
stoffwechselbedingte) Gelenkskrankheiten infolge
a) Hyperurikämie (= erhöhter Harnsäuregehalt des Blutes),
es kommt zur Arthritis urica (Gelenkgicht)
b) Xanthomatose (=
kleine, gutartige Tumore bei Fettstoffwechselstörungen), hpts. El lenbogen-,
Kniegelenke
c) Chondrokalzinose (=
relativ seltene Krankheit mit Verkalkungen des Gelenkknorpels)
d) Hämochromatose
(= Eisenspeicherkrankheit infolge Eisenüberladung des Organismus,
auch der Gelen ke)
Endokrine (=
durch Funktionsstörung von Drüsen verursachte) Gelenkkrankheiten
infolge
a) Hypothyreose (=
Unterfunktion bis hin zu Funktionsausfall der Schilddrüse)
b) Diabetes mellitus (=
Zuckerkrankheit)
Koagulopathische
(= durch eine Störung der Blutgerinnung hervorgerufene) Gelenkkrankheiten
infolge
Einblutung ins Gelen k
Hämatologisch
(= aufgrund von Blutkrankheiten) bedingte Gelenkkrankheiten
infolge
a) Leukosen (=
bösartige Umwandlung/ Entartung blutbildender Zellen)
b) Sichelzellanämie (=
Blutarmut mit Bildung von sog. Sichelzellen bei krankhaft verändertem
Blutfarbstoff)
Neurologisch (=
Nervensystem-) bedingte Gelenkskrankheiten
a) Syringomyelie
(= eine Erkrankung des Rückenmarks)
b) Lepra (= eine schleichend beginnende, tropische
und subtropische ansteckende Krankheit)
Degenerativ (= die Abnutzung betreffende) bedingte Gelenkkrankheiten, hpts. Arthrose
Rheumatisch bedingte Gelenkskrankheiten, z.B. die rheumatoide Arthritis
Infektiös bedingte Gelenkkrankheiten: a) z.B. direkte infek tiöse Arthritis (= Gelenkentzündung), meist bakteriell, seltener vi ral und b) reaktive (infek treaktive) Gelenkentzündungen
Nicht selten verbleiben trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) fachärztlichen Behandlung weiterhin Schmerzen, so daß dann schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach dem Schmerz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach seiner Ursache richten. Länger bestehende, schmerzhafte Gelenkkrankheiten erfordern praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzklinik) angeboten werden können. Bei schmerzhaften Gelenkkrankheiten sind dies:
Information über die Erkrankung
Medikamentöse Behandlung (u.a. Schmerzmittel, schmerzlindernde Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)
Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, evtl. auch rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter
Krankengymnastik und andere Anwendungen zum Erhalt der Gelenkfunktion bzw. -verbesserung
Evtl. Magnetfeldtherapie
Evtl. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)
Medikamentöse Schmerzbehandlung bei Gelenkkrankheiten:
Akut und subakut können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®. Besonders magenschonend und ebenfalls entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei schmerzhaften Gelenkkrankheiten hat sich insbesondere die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) sehr bewährt, und zwar in Form von kontinuierlichen Nervenblockaden mittels eingepflanztem Katheter. Eine wichtige Nebenwirkung dieser Therapie ist eine begleitende Symphatikolyse (= Erweiterung der Blutgefäße), denn unter einer guten Durchblutung heilen z.B. entzündliche Prozesse sicher ab. Hinzu kommt die überaus wichtige Tatsache, daß bei einer verbesserten, lokalen (= örtlichen) Durchblutung auch spezifische Medikamente (im Falle der in fektiösen Arthri tis Antibiotika, evtl. antivi rale Substanzen oder auch Antimykotica (= Mittel gegen Pilze)) viel besser und effektiver wirken können. Eine gute Durchblutung wirkt auch degenerativen (= abnutzungsbedingten) Prozessen kausal (= heilend) entgegen.
Daß Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.
Methodenbeschreibung "Kontinuierliche (repetitive) Nervenblockaden mit Katheter":
Nervus femoralis (vorderer
Oberschenkelnerv): Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des
Oberschenkels her, handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kanüle in der
Tiefe den Oberschenkelnerv auf und legen in die Nervenscheide (Gewebsumhüllung
des Nerven) einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) ein. In den nächsten 2-3
Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich eine verdünnte
örtliche Betäubungsmittellösung ein. Dabei wählen wir die Konzentration des Wirkstoffes
so, daß die grobe Kraft und damit die Beweglichkeit erhalten bleibt, aber die
Schmerzempfindlichkeit deutlich herabgesetzt oder gar aufgehoben ist.
Anwendungsbereiche:
Kniegelenkschmerzen
und z.T. Sprunggelenkschmerzen
(oberes Sprunggelen k)
Gegen Hüftgelenkschmerzen kann vorgenannte Methode verändert angewendet werden (der sog. 3 in 1-Block oder die Pl exus lumbal is-Blockade): Wenn man die Menge der örtlichen Betäubungsmittellösung erhöht (ca. 25-35 ml) und während des Einspritzens den Oberschen kel abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben getrieben (innerhalb der Nervenscheide) und betäubt weitere Ner ven, die die genannten Körpergebiete versorgen.
N.
isch
iadicus: Bei dieser
Methode suchen wir von der Oberschenkelrückseite her, handbreit unter dem
Gesä
ß,
den Ischiasnerv in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen
Kunststoffschlauch in die zugehörige Nervenscheide (Gewebsumhüllung) ein. In den
folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine
verdünnte, örtliche Betäubungsmittellösung eingespritzt. Je nach
Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgungsgebiet des Nerven zu einer
Verminderung der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit.
Anwendungsbereiche:
Fussgelenkschmerzen
Plexus brachialis: Die Einpflanzung des Katheters erfolgt nahe der Achselhöhle am inneren Obera
Wenn chronische Schmerzen aufgrund von Gelenkskrankheiten längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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